Heizungsmodernisierung als Chance der Energiewende
Nach dem Kernkraftwerk Unglück in Fukushima wurde in Deutschland die Energiewende angekündigt. Die Diskussion geht dabei aber hauptsächlich um die Stromerzeugung und das Abschalten der Kernkraftwerke. Der Wärmemarkt für die Erzeugung der Energie unserer Heizung und Warmwasserversorgung wird dabei ziemlich stiefmütterlich behandelt, obwohl über 40 Prozent unseres Energieverbrauchs hier entstehen und mehr als 80 Prozent davon, auf die Erzeugung der Wärme durch die Heizungsanlagen in unseren Haushalten entfallen.
Dabei könnten viele Millionen Tonnen an Kohlendioxid Ausstoß durch die Sanierung der alten Heizungsanlagen eingespart werden. Nur ca. 10 Prozent der in unseren Gebäuden installierten Heizungstechnik repräsentiert den Stand der heutigen Technik. Zwar bieten die Bundesregierung und die Länder auch Förderungen durch KFW oder BAFA für Heizungsmodernisierung an, diese bieten aber deutlich weniger Anreize zu einer Sanierung, wie etwa die Förderungen im Vergleich zur Photovoltaik Technik und das obwohl bei der Wärmeerzeugung ein deutlich höheres Energiesparpotential besteht. Langsam scheint es aber ein Umdenke zu geben. Die Landesregierung von NRW überlegt aktuell eine Abwrackprämie für Heizkessel in die Förderung mit aufzunehmen.
Ein weiterer Effekt den eine verstärkte Förderung der Heizungsmodernisierung hätte, ist die Stärkung des heimischen Marktes für Heizungstechnik. Im Gegensatz zu Solarzellen, die mittlerweile zu großen Teilen in China produziert werden, kommen Heizkessel, thermische Solaranlagen oder Wärmepumpen immer noch aus der heimischen Industrie. Genauso würden Heizungsinstallateure, Heizungsbauer und Fachplaner von zusätzlichen Förderungen profitieren und so die Binnenkonjunktur ans Laufen gebracht werden.
Aber nicht nur die fehlenden Förderanreize sind ein Grund für die Zurückhaltung von Bauherren und Anlagenbetreibern bei der Heizungsmodernisierung. Die Verunsicherung der Endkunden ist groß. Wer entsorgt schon gerne seine noch gut funktionierende alte Heizungsanlage, wenn er nicht weiß ob die neue Anlage auch wirklich das Richtig ist für die nächsten 15 bis 25 Jahre.
Heizungsanlage bei Neubauten
Bei Neubauten ist die Lage noch vergleichsweise übersichtlich. Ein gut gedämmtes Haus lässt sich problemlos mit einer thermischen Solaranlage und einem zusätzlichen Wärmeerzeuger mit Wärme versorgen. Dies kann ein Gas oder Öl befeuerten Brennwertkessel sein oder wer völlig auf erneuerbare Energien setzen möchte nutzt eine Wärmepumpe.
Noch mehr auf der Sonnenseite befinden sich die Eigentümer eines Passivhauses. Hier ist selbst die Wärmeerzeugung für Heizung und Warmwasser ausschließlich mit Solaranlagen möglich.
Heizungsmodernisierung bei Altbauten
Schwieriger stellt sich die Situation bei Bestandsbauten dar. Hier fehlt oftmals die erforderliche Dämmung oder auch Flächenheizungen für die Wärmeverteilung. Wer in seinem Gebäude noch Plattenheizkörper oder Radiatoren mit einer Vorlauftemperatur von 70 Grad betreibt, sollte sich von dem Gedanken freimachen seine Wärmeerzeugung durch eine Solaranlage oder eine Wärmepumpe zu realisieren. Hilfe versprechen hier sogenannte Hybrid Heizungen, bei der mehrere Wärmeerzeuger für die Energieerzeugung genutzt werden. So kann etwa eine Solaranlage, mit einem Brennwertkessel und einem Kaminofen, auf einen gemeinsamen Pufferspeicher arbeiten und so je nach Betriebsbedingungen die erzeugte Wärme besonders effizient nutzen.
Eine Alternative für wärmephysikalisch schlechte Gebäude ist die Pelletheizung, so kann man sich von Gas- und Ölpreisen abkoppeln und seine Wärmeenergie komplett mit erneuerbaren Energien erzeugen. Allerdings ist die Anlagentechnik der Pelletheizung deutlich aufwendiger und benötigt wesentlich mehr Platz, wie etwa eine Gasbrennwertheizung.
Fazit
Bei Gebäuden mit schlechten Dämmwerten und vergleichsweise hohem Wärmebedarf, bleibt eigentlich nur der Einbau eines Gas oder Öl befeuertem Brennwertkessel. In jedem Falle sollten alte Niedertemperatur Heizkessel ausgetauscht werden. Bei normal gedämmten Gebäuden, die möglichst noch über einen Fußbodenheizung verfügen, sind sicher Hybridheizungen in Zukunft die erste Wahl. Kombinationen von Brennwertkessel mit Solaranlage, Wärmepumpe mit Solaranlage oder auch ein dreier Gespann aus Brennwertkessel, Wärmepumpe und Solaranlage sind Anlagensysteme, die zum Einem die Umwelt schon und gleichzeitig den Energiekosten senken. Für hochgedämmte Gebäude kommen eigentlich nur Solaranlagen in Kombination mit einer Wärmepumpe in Frage.
Andere Wärmeerzeugungssysteme wie das Mini BHKW oder auch die Brennstoffzelle, sind derzeit eher Exoten auf dem Heizungsmarkt. In jedem Fall sollte man sich vor der endgültigen Entscheidung für eine Heizung verschiedene Modelle hinsichtlich Energieersparnis und Amortisation durchrechnen lassen.
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